Review: Triathlon Trainingseinheiten für Berufstätige

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Schon eine Weile stand das Buch im Regal und ich hatte nie einen Zugang dazu. Da ich nun täglich 8 Stunden arbeite und auch sonst nicht wirklich mit Stunden um mich schmeisse hat es mich dann doch gepackt und ich habe das Buch in die Hand genommen. Der erste Eindruck war sehr gut. Auf den zweiten Blick haben mir dann doch ein paar Dinge gefehlt. Jetzt mit etwas Abstand betrachtet kann ich sagen, dass dieses Buch genau das macht was es soll: Inspirieren und Zeit sparen.
Eins vorab: Für komplette Neueinsteiger ist das Buch nicht unbedingt gedacht. Ein paar Grundlagen zum Trainingsaufbau und wann man wie trainiert sollte man schon habe.

Themenbereiche
Die Themenbereiche des Buchs sind auf die verschiedenen Trainingsphasen abgestimmt, die ein Triathlet während des Jahres hat. Basics, Grundlagentraining, Kraftausdauertraining, Tempotraining, Wettkampforientiertes Training, Tapering, übergangs- und Techniktraining und Athletiktraining. Ganz am Anfang, im Kapitel Basics, geht es um Leistungstests der drei Disziplinen. Manchem mögen diese Begriffe vollkommen neu sein. Das macht nichts, vor einem Jahr hatte ich keinen Plan von dem ganzen Quatsch! Aber im Prinzip ist es ganz einfach: In der „Off-Season“ legt man die Basis für die Wettkampfseason. Insgesamt geht diese Phase je nach Planung 3-4 Monate und bildet ist somit die längste Zeit des Trainings. Man trainiert im unteren Pulsbereich und mit wenig Tempoeinheiten. Beim Kraftausdauertraining geht es dann schon etwas genauer zu. Die Grundlagenausdauer steht, jetzt geht es darum sehr spezifisch im Wasser, auf dem Rad und in den Laufschuhen Kraft aufzubauen, die oft am Ende des Wettkampfes fehlt. Beim Tempotraining geht es, wie der Name schon sagt, um Geschwindigkeit. Man trainiert in einem deutlich höheren Pulsbereich, näher am Wettkampftempo und intensiver ohne dabei zu viel zu trainieren. Die sechs Wochen vor dem Saisonhöhepunkt kommt das wettkampforientierte Training. Das ganz klare Ziel ist es, innerhalb von weniger Wochen die Bestform zu erreichen und den Wettkampf zu simulieren. Diese Phase ist sehr kritisch und der Grat zwischen Bestform erreichen und Verletzungen ist sehr schmal. Tapering nennt sich die Phase direkt vor dem Wettkampf. Man erholt sich, füllt die Kräftelager auf und reduziert deutlich den Umfang. Was ich besonders schön finde, das Buch endet an dieser Stelle nicht! Den nach dem Wettkampf kommt das grosse Fragezeichen. Man hat alles gegeben, über Wochen und Monate trainiert und dann ist alles vorbei. Man gewinnt in dieser Zeit Abstand zum Triathlon, arbeitet an der Technik und gönnt sich genug Ruhe. Technik- und Athletentraining sind die Grundlage für jeden gesunden Triathlet. Ohne saubere Bewegungen und gute Rumpfstabilität sind Verletzungen nicht weit.

Qualität vor Quanität
Genug zu den Themengebieten. Jetzt zur genauen Review des Buchs. Mir hat es teilweise die Augen geöffnet. Oder es hat mir geholfen meine geöffneten Augen zu nutzen um mein Training zu optimieren. Die Botschaft des Buchs ist ganz klar: Qualität vor Quantiät! Eine Sache, die mich schon länger beschäftigt und hier besonders klar aufgegriffen wird. Neben der Zeit, die man in ein Training investiert, geht darum was du daraus machst. Den ist auch mit wenig Zeit möglich, sehr viel raus zu holen und effektiv zu trainieren. Viele machen den Fehler, dass das Training zu monoton wird und man keine Fortschritte macht. Besonders beim Radfahren dümpel ich immer so vor mich hin. Im Buch sind sehr viele verschiedene Trainingseinheiten, die kreativ und anders sind.

Aufbau & Übersichtlichkeit
Pro oben genannte Trainingsphase gibt es eine kurze Übersicht, was in dieser Phase wichtig ist, welche Eigenschaften trainiert werden, worauf zu achten ist und es wird noch auf die einzelnen Sportarten eingegangen. Die Trainingseinheiten sind in die drei Sportarten unterteilt. Optisch ist es sehr übersichtlich gestaltet und die Beschreibungen der Einheiten sind für mich leicht verständlich. Durchschnittlich gehen die Einheiten 60 Minuten, man hat jedoch stets einen Spielraum und kann die Dauer somit der eignen Distanz anpassen. Unter vielen Einheiten sind Tipps zum jeweiligen Training. Die Variationen sind sehr breit gefächert und man reichen vom Steigerungslauf, Sprinttraining, kurze und knackige Einheiten, Bergläufe und verschiedene Intervalle.
Da ich im Verein schwimme hat mich das Schwimmtraining am wenigsten interessiert. Unser Trainer gibt uns ja genau vor, was wir zu schwimmen haben. Da ich so oft wie möglich diese Möglichkeit nutze, brauche ich nur selten ein eigenes Programm. Die Einheiten ähneln denen unseres Vereins und sind somit sehr spannend. Training mit Paddels und Pullboy, Lagenwechsel und Intervalle gestalten das Schwimmtraining vollkommen neu und trainieren auch mal Beine und Arme getrennt. Für mich ist jedoch ein Trainier beim Schwimmen unersetzbar. Man lernt so viel in weniger Zeit, wenn jemand von aussen sagt, was man falsch macht.
Besonders der Bereich des Radfahren war für mich Gold wert! Es sind hier ganz verschiedene Trainingseinheiten aufgeführt. Vieles ist inspiriert vom Training der Radprofis, was ich sehr gut finde. Auf das meiste wäre ich alleine nie gekommen. Ich denke, es geht nicht nur mir so: Man dreht immer seine gleiche Runde, meist in ähnlicher Geschwindigkeit. Beim Laufen kenne ich mich etwas besser aus und weiss wie ich trainieren kann. Das Radfahren ist immer noch vollkommenes Neuland für mich und deshalb ist das Buch eine tolle Inspiration. Bis an das Limit Pushen, Steigerungsphasen, Fahren im dicken Gang und die guten Klassiker sind nur ein paar der Variationen.
Da ich mit Laufen begonnen habe, kenne ich viele Einheiten aus diesem Bereich und weiss deshalb wie verdammt wichtig sie sind! Besonders als ich für den Marathon trainierte habe ich gemerkt wie wichtig Intervalle, lange langsame Läufe, Tempotrainings und Sprints sind! Monotonie sind der Tod eines jeden Trainings! Treppenläufe, auch hier wieder die guten alten Steigerungsläufe, Koppeltraining und verschiedene Tempoläufe liefern genügend Möglichkeiten um das Lauftraining besonders Variantenreich zu gestalten.

Kritik
Die Abteilung Techniktraining finde ich ganz ok, schneidet aber jedes Thema nur minimal an. Auch das Athletiktraining ist eher Standard. Ich persönlich hätte es nicht gebraucht. Wenn ich ein Buch zur Technik möchte, kaufe ich mir ein spezifisches. In diesem Buch geht es meiner Meinung nach um Zeitmangement, Zeit effektiv nutzen, Qualität ins Training bringen ohne stundenlang zu trainieren. Die Bereiche der einzelnen Phasen decken dies auch vollkommen ab, für mich hätte es kein Athletiktraining gebraucht. Wohingegen mir der Bereich des Trainingsaufbau etwas fehlt. Zwar wird im Buch explizit geschrieben, dass dies nicht das Ziel des Buchs ist, für mich hätte man nur die Bereiche des Technik- und Athletiktrainings weg lassen können und stattdessen mehr auf den Aufbau, die Planung, Tipps für den Alltag und die Probleme, die man als berufstätiger Triathlet hat eingehen können.

Zusammenfassung
Würde ich es weiter empfehlen? Ja, auf jeden Fall. Jeder fällt ab und an in sein Standarttraining zurück und immer wieder das Gleiche zu trainieren ist auf Dauer ziemlich langweilig und bringt wenig. Zudem hat es mich noch mehr gelehrt, auf die Qualität und nicht die Quantität zu achten. Das Training das ich mache mit voller Konzentration zu machen und alles zu geben und dafür lieber nur 4 mal die Woche anstatt 6. Die Techniken, die man braucht um mit wenig Zeit viel zu erreichen lernt man auf jeden Fall in diesem Buch.
Mein Fazit: Ein tolles Buch für alle Triathleten, die schon etwas Erfahrung mit dem Trainingsaufbau haben und allem worauf man achten muss. Perfekt um immer wieder neue Reize zu setzen und nicht in alte Muster zu fallen. Zeit effektiv nutzen lernen und auch aus „nur“ einer Stunde Radfahren alles heraus zu holen sind Bereiche die hier bedient werden. Einen Trainingsplan ersetzt es allerdings nicht. In meinem Training werden sich auf jeden Fall immer wieder Einheiten aus diesem Buch finden lassen.

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